Was genau das magische Viereck ist, wie die Zielbeziehungen aussehen und welche Zielkonflikte entstehen können, erfährst Du in diesem Artikel.
Du möchtest mehr über das Thema Wirtschaftspolitik erfahren? Dann schau Dir doch den gleichnamigen Artikel an!
Magisches Viereck – Definition
Auf Abbildung 1 erkennst Du eine Übersicht des magischen Vierecks. Auch kannst Du erkennen, dass die Ziele untereinander verknüpft sind. Was genau diese Verknüpfung heißt, erfährst Du im weiteren Verlauf dieses Artikels.
Abbildung 1: Magisches Viereck
Die Ziele des magischen Vierecks werden auch Indikatoren genannt. Sie werden genutzt, um Zielbeziehungen und Zielkonflikte analysieren zu können. Diese Ziele bzw. Indikatoren können kongruent zueinander sein. Das heißt, dass sie sich gegenseitig unterstützen können. Die Ziele unterstützen sich beispielsweise, da mit einem stetigen Wirtschaftswachstum auch die Arbeitsplätze und die Vollbeschäftigungen steigen.
Ist ein stabiles Preisniveau gegeben, so ist eine Inflation, also ein Wertverlust des Geldes, eher unwahrscheinlich. Außerdem ist eine Deflation, ein mehr Angebot als Nachfrage, kaum möglich, da die Menschen fast kein Geld haben, um diese Waren zu kaufen. Dieses Ziel, die Preisniveaustabilität, unterstützt also das Wirtschaftswachstum
Stabilitätsgesetz Magisches Viereck
Die Erreichung eines wirtschaftlichen Gleichgewichts ist eines der Ziele der Bundesrepublik Deutschland und ist fest im Grundgesetz verankert. Damit dieses Ziel erreicht werden kann, wurde das magische Viereck im Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft - kurz Stabilitätsgesetz - festgeschrieben.
Dies geschah hauptsächlich, damit der Staat und die Notenbank ihren Fokus auf diese wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ziele setzen, damit Fehlentwicklungen vorgebeugt werden können. Mögliche Fehlentwicklungen wären eine steigende Arbeitslosigkeit oder eine wachsende Inflationsrate. Quasi alles, was die Erfüllung der Ziele verhindert. Die Notenbank ist hier in der Verantwortung, eine mögliche Inflation oder Deflation vorzubeugen. Dies kann etwa durch die Erhöhung des Leitzinses passieren.
Der Leitzins ist der Zinssatz, zu dem eine Zentralbank Geschäfte mit anderen Banken und Kreditinstituten abschließt. Er spielt eine entscheidende Rolle in der Geldpolitik und beeinflusst die Wirtschaftspolitischen Ziele einer Nation, insbesondere in Bezug auf konjunkturelle Schwankungen. Der Leitzins kann auch Auswirkungen auf das Bruttoinlandsprodukt Preisbereinigung haben und ist ein zentraler Faktor im magischen Viereck der Wirtschaft, wo Zielkonflikte in der Wirtschaft auftreten können.
Magisches Viereck – Ziele
Nur wenn alle vier Ziele erreicht werden, kann von einem gesamtwirtschaftlichen Gleichgewicht gesprochen werden. Der Name des magischen Vierecks kommt daher, dass es fast unmöglich ist alle Ziele gleichzeitig zu erreichen. Der Grund hierfür sind häufig Zielkonflikte. Welche das genau sind, erfährst Du einen Abschnitt weiter, nachdem Du verstanden hast, wie Zielkonflikte entstehen.
Die folgenden vier Ziele des magischen Vierecks werden in diesem Abschnitt betrachtet.
- Preisniveaustabilität
- Vollbeschäftigung
- Wirtschaftswachstum
- Außenwirtschaftliches Gleichgewicht
Preisniveaustabilität
Die Messung der Preisniveaustabilität erfolgt hauptsächlich über die Inflationsrate. Dabei beschreibt die Inflationsrate den Anstieg der Preise für Waren und Dienstleistungen eines typischen Warenkorbs gegenüber dem Vorjahr in Prozent.
Wichtig ist die Preisniveaustabilität, um eine Deflation oder eine Inflation zu verhindern. Deshalb hat sich die Zentralbank das Ziel gesetzt, die Inflationsrate etwas unter 2 % zu halten, damit ein stabiles Preisniveau sichergestellt werden kann. Sie ist also dazu gedacht, die Funktion des Geldes als Tauschmittel für Güter zu waren und die Gesamtwirtschaft wachsen zu lassen.
Vollbeschäftigung
Um zu beurteilen, inwiefern das Ziel der Vollbeschäftigung erfüllt wird, wird sowohl die Arbeitslosenquote, als auch die Zahl der erwerbstätigen Personen hinzugezogen. Dabei sind beide Parameter von konjunkturellen Schwankungen betroffen.
Konjunkturelle Schwankungen beziehen sich auf die Fluktuation im wirtschaftlichen Entwicklungsprozess, die durch verschiedene Faktoren wie Nachfrage, Angebot und wirtschaftspolitische Ziele beeinflusst wird. Diese Schwankungen sind entscheidend für das Verständnis des magischen Vierecks der Wirtschaft, das die Zielkonflikte in der Wirtschaft verdeutlicht. Eine Analyse der Bruttoinlandsprodukt Preisbereinigung hilft, die Auswirkungen dieser Schwankungen auf die Gesamtwirtschaft zu bewerten und die Stabilität der wirtschaftlichen Entwicklung zu fördern.
Die Arbeitslosenquote wird wie folgt berechnet:
Es wird genau dann von einer Vollbeschäftigung gesprochen, wenn die Arbeitslosenquote unter 3 % liegt. Als freiwillige, saisonale oder konjunkturelle Arbeitslosigkeit wird der Anteil unterhalb der 3 % beschrieben. Diese drei Arten der Erwerbslosigkeit unterliegen temporären Schwankungen. Sie sind somit weniger drastisch als die strukturelle Beschäftigungslosigkeit. Diese deutet auf Probleme innerhalb der Volkswirtschaft hin.
2021 lag die Arbeitslosenquote in Deutschland bei 5,4 %. Das Ziel der Vollbeschäftigung wurde erneut nicht erreicht. Zuletzt wurde das Ziel der Vollbeschäftigung in Deutschland zur Zeit des Wirtschaftswunders, welches 1948 startete, erreicht.
Wirtschaftswachstum
Unter dem Begriff Wirtschaftswachstum wird ein Wachstum des allgemeinen Wohlstands verstanden. Durch das stetige Wachstum sollen Schwankungen in der Beschäftigung umgangen werden. Dies hat vor allem Einfluss auf die Beschäftigten im Niedriglohnsektor.
Damit das Wirtschaftswachstum gemessen werden kann, wird hierzu das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) als Indikator genutzt. Auch wenn dieser Indikator sowohl von negativen, als auch von positiven Schwankungen geprägt wird, wurde in Deutschland seit 1967 ein durchschnittliches Wachstum von 2,4 % gemessen.
Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) verwendet die Preise eines Basisjahres, um das BIP zu berechnen, wodurch das Ergebnis von Konjunkturellen Schwankungen unabhängig ist. Ein stetiges Wirtschaftswachstum wird erreicht, wenn das BIP jährlich um 2-3 % steigt. Diese Berechnung ist entscheidend für die Analyse der wirtschaftspolitischen Ziele und hilft, Zielkonflikte in der Wirtschaft zu identifizieren, die im Rahmen des magischen Vierecks der Wirtschaft betrachtet werden.
Außenwirtschaftliches Gleichgewicht
Wie kann nun beurteilt werden, ob ein außenwirtschaftliches Gleichgewicht in einer Volkswirtschaft vorliegt? Hierzu wird der Außenbeitrag hinzugezogen. Dieser wird aus der Differenz der Exporte und der Importe berechnet. Die Außenbeitragsquote kann ebenfalls als Indikator für das außenwirtschaftliche Gleichgewicht genutzt werden.
Diese berechnet sich aus der Differenz der Exporte und der Importe im Verhältnis zum BIP.
Das nominale Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist der Gesamtwert aller in einer Volkswirtschaft produzierten Güter und Dienstleistungen, bewertet zu den aktuellen Marktpreisen innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Es spiegelt die wirtschaftliche Leistung wider und ist entscheidend für die Analyse von wirtschaftspolitischen Zielen und konjunkturellen Schwankungen. Bei der Betrachtung des BIP ist es wichtig, auch die Preisbereinigung zu berücksichtigen, um realistische Vergleiche über Zeiträume hinweg zu ermöglichen und Zielkonflikte in der Wirtschaft zu verstehen.
Schau Dir gern auch den Artikel "Nominales und reales BIP" hier auf StudySmarter an!
Magisches Viereck – Zielbeziehungen
Die Beziehungen der Ziele können in drei verschiedene Arten eingeteilt werden.
Als Erstes gibt es indifferente Ziele. Indifferent heißt hier, dass sich die Ziele gegenseitig nicht beeinflussen, weder positiv noch negativ. Die zweite Form der Zielbeziehung stellen die konkurrierenden Ziele dar.
Die konkurrierenden Ziele hindern die gegenseitige Erfüllung des Zieles. Dies ist auch der Grund, weshalb nie alle vier Ziele des magischen Vierecks gleichzeitig erreicht werden können. Angesichts dessen erhalten die Ziele mit schlechteren Werten eine größere Aufmerksamkeit und es wird an der Verbesserung dieses Zustandes gearbeitet. Hinzu kommt, dass konkurrierende Ziele auch zu Zielkonflikten führen können.
Zielharmonie Magisches Viereck
Die komplementären Ziele stellen die letzte Form der Zielbeziehungen dar und ergänzen einander. Sprich, das Erreichen eines Zieles kann von dem Realisieren eines anderen unterstützt werden. Dies ist, beispielsweise, bei der Vollbeschäftigung und dem Wirtschaftswachstum, der Fall. Sinkt die Arbeitslosenquote, so steigt meist das Wirtschaftswachstum. Unterstützen sich zwei Ziele gegenseitig, so wird auch von einer Zielharmonie gesprochen.
Die Wirtschaft im Lernland erlebt momentan einen Aufschwung. Dies hat zur Folge, dass mehr Leute beschäftigt werden, um der erhöhten Nachfrage gerecht zu werden.
Damit herrscht eine Zielharmonie im magischen Viereck des Lernlands. Die Beziehung der Ziele Wirtschaftswachstum und Vollbeschäftigung sind hier komplementär.
Hier noch mal alle Zielbeziehungen zusammengefasst.
- Es gibt drei Arten der Zielbeziehungen:
- komplementäre Ziele
- indifferente Ziele
- konkurrierende Ziele
Magisches Viereck – Zielkonflikte
Von Zielkonflikten wird gesprochen, wenn die Erfüllung eines wirtschaftspolitischen Ziels, wie etwa der Stabilität des Bruttoinlandsprodukts, die Realisierung eines anderen Ziels, wie der Bekämpfung konjunktureller Schwankungen, erschwert oder unmöglich macht. Diese Konflikte sind zentral im Konzept des magischen Vierecks der Wirtschaft, wo verschiedene Ziele in einem Spannungsfeld zueinander stehen. Zielkonflikte in der Wirtschaft erfordern oft Kompromisse, um eine ausgewogene und nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung zu fördern.
Zielkonflikte entstehen folglich aus konkurrierenden Zielen. Ein Zielkonflikt kann, zum Beispiel, zwischen der Preisniveaustabilität entstehen. Dies ist genau dann der Fall, wenn durch Wirtschaftswachstum die Nachfrage nach Gütern steigt und auch die Inflationsrate wächst. Die Preissteigerung folgt hier aus dem Konkurrieren der Unternehmen um Produktionsfaktoren. Dies geschieht, da eine Volkswirtschaft in einer Wachstumsphase an ihre Kapazitätsgrenzen stößt.
Ein weiterer, recht häufig auftretender, Zielkonflikt liegt zwischen der Preisniveaustabilität und der Vollbeschäftigung vor. Hierbei liegt der Konflikt zwischen der Inflationsrate und der Arbeitslosenquote vor. Ist die Inflationsrate in einem Land gering, so steigt die Arbeitslosenquote. Dieser Zusammenhang wird genauer durch die Phillipskurve dargestellt.
Die Phillipskurve beschreibt eine inverse Beziehung zwischen Preissteigerungen und der Arbeitslosenquote, was bedeutet, dass höhere Inflation oft mit niedrigerer Arbeitslosigkeit einhergeht. Diese Korrelation ist entscheidend für die Analyse wirtschaftspolitischer Ziele, da sie auf Zielkonflikte in der Wirtschaft hinweist. Insbesondere während konjunktureller Schwankungen kann die Phillipskurve helfen, das magische Viereck der Wirtschaft zu verstehen, das die Balance zwischen Inflation, Arbeitslosigkeit, Wirtschaftswachstum und Preisstabilität anstrebt. Eine präzise Betrachtung der Bruttoinlandsprodukt Preisbereinigung ist ebenfalls wichtig, um die Auswirkungen von Inflation auf die Wirtschaft zu bewerten.
Schau Dir doch den Artikel zur Phillipskurve an!
Magisches Viereck – Erweiterung
Heutzutage wird nicht immer vom magischen Viereck gesprochen. Mittlerweile wurde das magische Viereck erweitert. So gibt es beispielsweise auch das magische Fünfeck, Sechseck, Siebeneck, Achteck und Neuneck. Gängiger ist allerdings der Begriff das magische Viereck oder das magische Sechseck.
Wird das magische Viereck zum magischen Sechseck erweitert, so kommen die Ziele Umweltschutz und gerechte Einkommensverteilung hinzu. Wird von den anderen Varianten gesprochen, dann ergänzt sich das magische Viereck um einen bis alle dieser Punkte:
- gerechte Einkommensverteilung
- Umweltschutz
- humane Arbeitsbedingungen
- Sicherung von Ressourcen
- ausgeglichene öffentliche Haushalte
Hier gilt zu beachten, dass die Erweiterung des magischen Vierecks, um weitere Ziele, nicht nur mehr wichtige Aspekte berücksichtigt, sondern auch die Zielkonflikte verstärkt.
Magisches Viereck – Das Wichtigste
- Das magische Viereck beschreibt eine Zielbeziehung der wirtschaftspolitischen Ziele.Diese Ziele sind:
- Die Preisniveaustabilität
- Die Vollbeschäftigung
- Ein außenwirtschaftliches Gleichgewicht
- Ein stetiges Wirtschaftswachstum
- Die Preisniveaustabilität wird anhand der Inflationsrate gemessen. Diese sollte etwas unter 2 % liegen.
- Die Vollbeschäftigung wird mit der Arbeitslosenquote gemessen.
- Das Wirtschaftswachstum wird mit dem preisbereinigten BIP gemessen.
- Das außenwirtschaftliche Gleichgewicht lässt sich mit der Außenbeitragsquote messen.
- Es gibt drei Arten von Zielbeziehungen:
- komplementäre Ziele
- indifferente Ziele
- konkurrierende Ziele
- Unter den Zielen kann es zu Zielkonflikten kommen, wenn diese konkurrierende Ziele sind.
- Das magische Viereck kann bis zum magischen Neuneck erweitert werden.
- Bwl-lexikon.de. Magisches Viereck. (11.06.2022)
- Wirtschafts-lehre.de. Magisches Viereck. (11.06.2022)
- Arbeitsagentur.de. Entwicklung des Arbeitsmarkts 2022 in Deutschland. (11.06.2022)
- StudySmarter.de. Nominales und reales BIP. (11.06.2022)
- Planet-Wissen.de. Deutsche Geschichte: Wirtschaftswunder. (11.06.2022)
- wirtschaftslexikon.gabler.de. Phillips-Kurve. (11.06.2022)
- Carsten Kolassa, David Dieckow, Michael Hirsch, Uwe Creutzburg, Christian Siemers, Bernhard Rumpe (2014). Objektorientierte Graphendarstellung von Simulink-Modellen zur einfachen Analyse und Transformation. Available at: http://arxiv.org/abs/1408.4986v1 (Accessed: 29 January 2025).
- Isabel Braun, Gottfried Metzger, Stefan Ritter, Mikko Vasko, Hans-Peter Voss (2012). Inverted Classroom an der Hochschule Karlsruhe - ein nicht quantisierter Flip. Available at: http://arxiv.org/abs/1209.4451v1 (Accessed: 29 January 2025).
- Holger Boche, Volker Pohl (2022). On non-detectability of non-computability and the degree of non-computability of solutions of circuit and wave equations on digital computers. Available at: http://arxiv.org/abs/2205.12626v1 (Accessed: 29 January 2025).
Wie stellen wir sicher, dass unser Content korrekt und vertrauenswürdig ist?
Bei StudySmarter haben wir eine Lernplattform geschaffen, die Millionen von Studierende unterstützt. Lerne die Menschen kennen, die hart daran arbeiten, Fakten basierten Content zu liefern und sicherzustellen, dass er überprüft wird.
Content-Erstellungsprozess:
Lily Hulatt ist Digital Content Specialist mit über drei Jahren Erfahrung in Content-Strategie und Curriculum-Design. Sie hat 2022 ihren Doktortitel in Englischer Literatur an der Durham University erhalten, dort auch im Fachbereich Englische Studien unterrichtet und an verschiedenen Veröffentlichungen mitgewirkt. Lily ist Expertin für Englische Literatur, Englische Sprache, Geschichte und Philosophie.
Lerne Lily
kennen
Inhaltliche Qualität geprüft von:
Gabriel Freitas ist AI Engineer mit solider Erfahrung in Softwareentwicklung, maschinellen Lernalgorithmen und generativer KI, einschließlich Anwendungen großer Sprachmodelle (LLMs). Er hat Elektrotechnik an der Universität von São Paulo studiert und macht aktuell seinen MSc in Computertechnik an der Universität von Campinas mit Schwerpunkt auf maschinellem Lernen. Gabriel hat einen starken Hintergrund in Software-Engineering und hat an Projekten zu Computer Vision, Embedded AI und LLM-Anwendungen gearbeitet.
Lerne Gabriel
kennen