Copolymer – Definition
Ein Polymer, das zwei oder mehr verschiedene Monomer-Arten enthält, wird in der Chemie als Copolymer bezeichnet.
Ein Copolymer ist ein spezielles Polymer, da mehrere unterschiedliche Arten an Monomeren in diesem Polymer enthalten sind. Copolymere sind hauptsächlich Kunststoffe.
Abbildung 1: Molekülkette eines Polymers
Copolymere werden auch Heteropolymere genannt. Mischpolymerisation oder der englische Ausdruck interpolymerization sind weiter geläufige Namen.
Beeinflussung der Eigenschaften durch Copolymere
Die Eigenschaften von Copolymeren sind sehr unterschiedlich. Denn diese ergeben sich aus den eingesetzten Monomeren und deren Verhältnis zueinander. Zudem beeinflusst der Aufbau der Copolymer-Kette die Eigenschaften des Copolymers.
Anhand des Copolymers aus Polystyrol und Butadien kannst du diesen Zusammenhang besser verstehen. Polystyrol ist als Homopolymer ein spröder Kunststoff. In Verbindung mit Butadien formt sich ein elastisches Material. Ein weiteres Beispiel ist das Ethylen-Propylen-Copolymer. Die Homopolymere der jeweiligen Monomere Ethen und Propen haben thermoplastische Eigenschaften. Das Copolymer aus Ethen und Propen jedoch ist ein Elastomer.
Thermoplaste sind Polymere, die bei gewissen Temperaturen verformbar sind. Lineare Polymerketten ermöglichen diese Formbarkeit.
Elastomere sind Polymere, die eine feste Form besitzen, aber unter Druck und Zugkräften verformbar sind. Elastomere bestehen aus langen Polymerketten, die vernetzt sind.
Die oben genannten Parameter werden genutzt, um Kunststoffe mit bestimmten, erwünschten Eigenschaften zu erzeugen. Bei einfachen Polymeren, also Homopolymeren, sind die Mittel begrenzt, um Einfluss auf die Eigenschaften von Polymeren zu nehmen. Durch die Heteropolymerisation stehen mehr Instrumente zum Erzielen von bestimmten Eigenschaften zur Verfügung.
Gerrit ten Brinke ist ein Wissenschaftler an der Universiät Groningen und forscht auf dem Themengebiet der Polymere und Copolymere. Seine Erkenntnisse sind unter anderem in "Phase behavior in copolymer blends" aus dem Jahr 1983 nachzulesen.
Brinke entwickelte zudem das sogenannte Schubert-Plot, welches den Zusammenhang von Parametern in einem Gemisch von mehreren Monomeren grafisch darstellt.
Einteilung von Copolymeren
Die Einteilung der Copolymere erfolgt in der Chemie anhand des Aufbaus der verschiedenen Monomere im Molekül. Es wird unterschieden je nachdem, wie die Comonomere in das Copolymer eingebaut sind. Zunächst beschränkt sich die Einteilung auf Copolymere aus zwei Monomeren.
Statistische Copolymere
Bei statistischen Copolymeren sind die beiden Monomere zufällig in das Copolymer eingebaut. Sie werden als statistische Copolymere bezeichnet, da der Struktur der Monomere einer statistischen Verteilung folgt. Die Anordnung der Monomere in der Copolymer-Kette ist wahllos.
Copolymerkette aus Monomer A und Monomer B:
Abbildung 2: Allgemeine Struktur eines statistischen Copolymers
Beim Verknüpfen der beiden Monomere gibt es keine Präferenz. Hierfür liegen sterische, elektronische und reaktive Gründe vor.
Wenn kleine Mengen eines zweiten Monomers in die Kette eines bestehenden Monomers eingebaut werden, können bestimmte Eigenschaften selektiv beeinflusst werden. Die Einarbeitung größerer Mengen eines anderen Monomers hat hauptsächlich Einfluss auf die thermischen Eigenschaften.
Alternierendes Copolymer
Alternierende Copolymere heißen auch abwechselnde Copolymere. In alternierenden Copolymere sind zwei Monomere regelmäßig angeordnet. Die Monomere A und B wechseln sich ab.
Copolymerkette aus Monomer A und Monomer B:
Abbildung 3: Allgemeine Struktur eines alternierenden Copolymers
Blockcopolymere
Bei Blockcopolymeren gibt es innerhalb der Copolymer-Kette längere Abschnitte aus je einem der beiden Monomeren. Die Monomere bilden jeweils einen Block, einen Homopolymerblock.
Es können auch mehrere Blöcke in einer Copolymer-Kette vorkommen. Die Bezeichnung erfolgt dann, je nachdem wie viele Blöcke im Copolymer existieren. Beispiele sind Diblock- und Triblockcopolymere.
Copolymerkette aus Monomer A und Monomer B:
Abbildung 4: Allgemeine Struktur eines Blockpolymers
Pfropfcopolymere
Das Pfropfcopolymer wird im Englischen als graft copolymer bezeichnet.
Bei einem Pfropfcopolymer gibt es einen Block aus einem der beiden Monomere. Dieser Abschnitt stellt das Rückgrat dar. Auf dieses Rückgrat werden Blöcke des anderen Monomers aufgesetzt. Es wird auch von "aufpfropfen" gesprochen.
Somit sind Pfropfpolymere verzweigte Polymere, da sie Seitenketten besitzen. Die Zusammenstellung, die Menge und die Länge der Seitenketten bestimmen die Eigenschaften der Copolymere mit.
Copolymerkette aus Monomer A und Monomer B:
Abbildung 5: Allgemeine Strukur eines Pfropfcopolymers
Weitere Copolymere
Terpolymere sind Copolymere, die aus drei verschiedenen Monomeren bestehen.
Copolymerkette aus Monomer A, Monomer B und Monomer C:
Abbildung 6: Beispielhafte Struktur eines Terpolymers
Die oben genannte Einteilung in statistische und alternierende Copolymere sowie Block- und Pfropfcopolymer kannst du auf Copolymere aus drei unterschiedlichen Monomeren übertragen.
Copolymer – Herstellung
Zur Herstellung von Copolymeren werden die radikalische Polymerisation und die ionische Polymerisation eingesetzt. Besonders die anionische Polymerisation eignet sich, um bestimmte Strukturen herzustellen. Denn die entstehende Molmasse und deren Verteilung lässt sich bei der anionischen Polymerisation gut steuern. Vor allem bei der Darstellung von Blockpolymeren wird das ausgenutzt.
Pfropfpolymere können durch unterschiedliche Wege dargestellt werden. Eine Variante ist, dass an eine Polymerkette aus Monomer A andere Monomere B polymerisiert werden. Das Verbinden zweier Ketten von Homopolymeren mittels funktioneller Gruppen ist eine zweite Möglichkeit.
Copolymer – Beispiele
Es gibt viele verschiedene Copolymere. Im Folgenden sollen einige Kunststoffe vorgestellt werden.
Acrylate als Copolymer
Polyacrylate sind Polymere, die aus den Estern der Acrylsäure aufgebaut sind. Der Einsatz von Acrylsäureester in Copolymeren ist weitverbreitet. Ein Beispiel ist das Copolymer aus Acrylsäureester und dem Ester der Methacrylsäure. Die Eigenschaften der Copolymere mit Acrylsäureestern lassen sich sehr stark variieren.
Abbildung 7: Allgemeine Strukturformel von Acrylsäureester
In der oben sichtbaren Abbildung siehst du die allgemeine Strukturformel eines Acrylsäureesters. Das R in der Strukturformel ist ein organischer Rest, der variiert.
Acrylnitril-Styrol-Acrylat-Copolymer (ASA) ist ein Beispiel für ein Polyacrylat. ASA ist ein Terpolymer aus den Monomeren Acrylnitril, Styrol und Acrylsäureester. Aus diesem Terpolymer werden Oberflächen hergestellt, die glänzend und beständig gegenüber Kratzern sind. Es weist eine gute chemische Beständigkeit auf, besonders gegenüber wässrigen Lösungen, aber auch gegen Öle, Alkoholen und aliphatischen Kohlenwasserstoffen.
Acrylnitiril-Styrol-Acrylat-Copolymere werden bei Platten im Bauwesen, die witterungsfest sind, eingesetzt. Weitere Einsatzgebiete sind elektrische Geräte, die hohen Temperaturen ausgesetzt sind, und Surfbretter.
Butylkautschuk als Copolymer
Butylkautschuk ist ein Copolymer aus den Monomeren Isobuten und Isopren. Er wird auch Isobuten-Isopren-Kautschuk (IIR) genannt und ist ein Synthesekautschuk. Das Copolymer hat eine gute Beständigkeit gegenüber Säuren, Basen, Wetter und Ozon. Zudem isoliert es elektrisch recht gut. Die Gasdurchlässigkeit ist gering und Stöße sowie Schwingungen werden gut abgefangen.
Abbildung 8: Synthesekautschuk wird unter anderem in Reifen verwendet
Styrol-Acetonitril-Copolymer
Styrol-Acetonitril-Copolymer (SAN) ist ein transparentes Copolymer aus den Monomeren Styrol und Acetonitril. Der Kunststoff ist recht steif. Gegenüber Polystyrol, einem Homopolymer, hat SAN einen Vorteil. Denn dieses Copolymer hat eine gute Beständigkeit gegenüber Wärme, Kratzern und chemischen Substanzen, wie Aminen. In vielen Produkte in der Küche, Duschkabinenwände, Reflektoren, Batteriezellwände und vieles wird SAN verwendet.
Weitere Beispiele für Copolymere
Weitere Beispiele für Copolymere sind Poloxamere, Acetonitril-Butadien-Styrol-Copolymer und Styrol-Butadien-Kautschuk.
Copolymer - Das Wichtigste
- Ein Polymer, der zwei oder mehr verschiedene Monomer-Arten enthält, wird als Copolymer bezeichnet.
- Copolymere werden genutzt, da auf die Eigenschaften der Kunststoffe eingewirkt werden kann.
- Die Einteilung der Copolymere erfolgt, je nachdem wie die Comonomer in dessen Ketten eingebaut sind: statistischen Copolymere, alternierenden Copolymere, Blockcopolymere und Pfropfpolymere.
- Terpolymere sind Copolymere, die aus drei verschiedenen Monomeren bestehen.
- Copolymere können mittels radikalischer und ionischer Polymerisation dargestellt werden.
- Beispiele für Copolymere sind Acrylnitril-Styrol-Acrylat-Copolymer (ASA), Butylkautschuk und Styrol-Acetonitril-Copolymer (SAN).
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Gabriel Freitas ist AI Engineer mit solider Erfahrung in Softwareentwicklung, maschinellen Lernalgorithmen und generativer KI, einschließlich Anwendungen großer Sprachmodelle (LLMs). Er hat Elektrotechnik an der Universität von São Paulo studiert und macht aktuell seinen MSc in Computertechnik an der Universität von Campinas mit Schwerpunkt auf maschinellem Lernen. Gabriel hat einen starken Hintergrund in Software-Engineering und hat an Projekten zu Computer Vision, Embedded AI und LLM-Anwendungen gearbeitet.
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