Der Kettenreim (auch Terzinenreim genannt) ist ein bestimmtes Reimschema, das zum Beispiel in Gedichten vorkommt und jeweils drei Verse miteinander verbindet. Die Wirkung ergibt sich aus dem Sinnzusammenhang dieser Verse.
Das Evangelienbuch, geschrieben in Dichtform, erzählt vom Leben Christi.
Kettenreim – Erklärung vorab
Bevor der Kettenreim behandelt wird, ist vorab eine Erklärung über Reime von Bedeutung. Folgendes Grundwissen sollte Dir bewusst sein: Damit sich zwei oder mehr Wörter reimen können, müssen sie ab der letzten betonten Silbe gleich klingen. Man unterscheidet dabei zwischen einem reinen und unreinen Reim.
Eine Silbe ist die kleinste gebildete Einheit eines Wortes. Die Silbe kann aus einem oder mehreren Lauten bestehen.
Ein reiner Reim liegt vor, sobald die Wortenden und die Wörter als Ganzes gleich klingen.
Bei einem unreinen Reim ist das Wortende zwar gleich, die Wörter klingen in ihrer Aussprache jedoch unterschiedlich.
Beispiele für einen reinen und einen unreinen Reim sind:
schlagen – jagen → reiner Reim
grüßen – fließen → unreiner Reim
Oft sind Reime Bestandteil eines Gedichts und lassen sich auf unterschiedliche Weise analysieren. Wenn Du eine formale Gedichtanalyse durchführen musst, beginnst Du meistens mit der metrischen Untersuchung, in der es neben dem Versbau und der lyrischen Gattung auch um die Bestimmung des Reimschemas geht.
Sieh Dir auch die Erklärung zu "Gedichtanalyse" an, um noch mehr Informationen zu erhalten.
Die drei literarischen Gattungen: Epik, Lyrik und Dramatik
- Unter Epik versteht man die erzählende Literatur in Vers- oder Prosaform.
- Dramatik bezeichnet das handelnde Geschehen. Beim Drama geht es vor allem um eine Textvorlage für die auf der Bühne dargestellte Handlung.
- Die Lyrik benennt die Dichtung in Versform.
Es gibt viele verschiedene Kombinationsarten, die auch Reimschemata, bzw. im Singular Reimschema, genannt werden. Dieses gibt an, in welcher Abfolge sich Verse in einem Gedicht reimen.
Als Vers bezeichnet man eine Zeile in einem Gedicht. Statt in lyrischen Texten den Begriff "Zeile" zu verwenden, solltest Du also besser von einem "Vers" oder einer "Verszeile" sprechen.
Das Reimschema in Gedichten wird durch die Anordnung der Reime am Ende der Verse, also die Endreime, gebildet. Um die Struktur kenntlich zu machen, kannst Du die sich reimenden Wörter mit einem Buchstaben versehen. Die Buchstabenabfolge erfolgt nach dem Alphabet und in Kleinschreibung, beispielsweise "a, b, c, d" etc. Bei jedem neuen Reim musst Du daher einen neuen Buchstaben verwenden.
Kettenreim – Definition
Du fragst Dich, was die Definition von einem Kettenreim ist? Der folgende Abschnitt gibt Dir die Antwort.
Der Kettenreim besteht meist aus mehreren Strophen (Abschnitten) und verbindet immer drei Verszeilen miteinander.
Der Kettenreim setzt sich aus dem folgenden Reimschema zusammen: aba bcb cdc.
Kettenreim – Terzinenreim
Vielleicht ist Dir im Zusammenhang mit "Kettenreim" auch schon der Begriff "Terzinenreim" untergekommen. Das Wort Terzine stammt vom italienischen Wort terzo ("dritter"). Da ein Kettenreim immer aus drei Versen besteht, wird er auch Terzinenreim genannt. Kettenreim und Terzinenreim bedeuten also im Grunde dasselbe.
Es gibt natürlich noch zahlreiche andere Reimschemata wie bspw.
Weitere Informationen zu den Reimschemata findest Du in den jeweiligen Erklärungen hier auf StudySmarter.
Kettenreim Gedicht – Kettenreim Beispiel
Am besten lässt sich das Kettenreim-Schema an einem Beispiel-Gedicht veranschaulichen. Lies Dir dazu das Gedicht "Bei Betrachtung von Schillers Schädel" (1826) von Johann Wolfgang von Goethe durch:
a Im ernsten Beinhaus war's, wo ich beschaute,
b Wie Schädel Schädeln angeordnet paßten;
a Die alte Zeit gedacht ich, die ergraute.
b Sie stehn in Reih geklemmt, die sonst sich haßten,
c Und derbe Knochen, die sich tödlich schlugen,
b Sie liegen kreuzweis, zahm allhier zu rasten.
c Entrenkte Schulterblätter! was sie trugen,
d Fragt niemand mehr, und zierlich tät'ge Glieder,
c Die Hand, der Fuß, zerstreut aus Lebensfugen.
Du siehst hier, dass sich in den ersten drei Zeilen der erste und der dritte Vers reimen. Dieses Schema zieht sich durch den weiteren Verlauf des Gedichts. Somit gibt das Reimwort im zweiten Vers ("paßten") den Reim für die erste ("haßten") und die dritte Verszeile ("rasten") der nächsten Terzine (bcb) vor. Dadurch bildet sich dieses Schema heraus:
Wenn Du Dich nun fragst, ob es auch Ausnahmen innerhalb des Reimschemas geben kann, liegst Du richtig: Sie werden Waise genannt und beschreiben einen reimlosen Vers innerhalb einer Strophe, der sozusagen allein steht. Die Waise passt also innerhalb des Reimschemas nicht zu den anderen Versen, wie das Wort "Glieder" im oben stehenden Beispiel.
In der Gedichtanalyse wird die Waise mit einem x oder w markiert. Besonders interessant ist dies meist für die Interpretation von Gedichten, da die dichtende Person diese Stelle besonders hervorheben möchte.
Eine Waise in einem Kreuzreim tritt zum Beispiel in Georg Heym's Gedicht "Der Herbst" auf:
a Weit gerückt in unbewegter Ruhe
b Steht der Wald wie eine rote Stadt.
x Und des Herbstes goldne Flaggen hängen
b Von den höchsten Türmen schwer und matt.
Du siehst hier, dass sich das Wort "hängen" auf kein anderes Wort innerhalb des Gedichts reimt und somit allein steht. Das Reimschema des Kreuzreims, das normalerweise abab lautet, muss aufgrund der Waise also mit abxb markiert werden.
Kettenreim – Funktion
Der Kettenreim hat wie die meisten Reime die Funktion, den Rhythmus oder die Bedeutung eines Werkes zu beeinflussen. Das geschieht, indem der Reim immer mindestens zwei Wörter unmittelbar aufeinander bezieht. Natürlich bleiben
- Silben,
- Wörter und
- Verse,
die sich reimen, letztlich auch besser im Gedächtnis und tragen so auch zu einer stärkeren Merkfähigkeit bei.
Konkret besitzt der Kettenreim die Funktion, sich reimende Verse in Verbindung zueinander zu stellen. Somit beziehen sich die a-Verse aufeinander, die b-Verse stehen in Kontext etc.
Kettenreim – Wirkung
Die Wirkung eines Kettenreims ist immer vom konkreten Sinnzusammenhang der Verse abhängig. Dazu musst Du alle Reime alleinstehend betrachten. Als Beispiel nutzen wir hierfür erneut Goethes "Bei Betrachtung von Schillers Schädel". Diesmal wurden jedoch die ganzen Verse, die einen Reim bilden, markiert:
a Im ernsten Beinhaus war's, wo ich beschaute,
b Wie Schädel Schädeln angeordnet paßten;
a Die alte Zeit gedacht ich, die ergraute.
b Sie stehn in Reih geklemmt, die sonst sich haßten,
c Und derbe Knochen, die sich tödlich schlugen,
b Sie liegen kreuzweis, zahm allhier zu rasten.
c Entrenkte Schulterblätter! was sie trugen,
d Fragt niemand mehr, und zierlich tät'ge Glieder,
c Die Hand, der Fuß, zerstreut aus Lebensfugen.
Liest Du die einzelnen Reime einmal getrennt von den anderen, zeigt sich, dass diese sinn- und bedeutungsgemäß aufeinander aufbauen und zusammenhängen. Das wird z. B. anhand der b-Verse deutlich:
b Wie Schädel Schädeln angeordnet paßten;
b Sie stehn in Reih geklemmt, die sonst sich haßten,
b Sie liegen kreuzweis, zahm allhier zu rasten.
Dasselbe trifft auch auf die c-Verse zu.
Kettenreim - Das Wichtigste
- Kettenreim – Erklärung vorab: Wörter reimen sich, wenn die letzte betonte Silbe gleich klingt.
- Kettenreim – Schema:
- allg. Reimschema: Abfolge, in der sich die (End-)Verse in einem Gedicht reimen
- KettenreimReimschema: "aba bcb cdc ...".
- Kettenreim – Definition:
- Kettenreim besteht meist aus mehreren Strophen
- verbindet immer drei Verszeilen miteinander
- Reimschema: aba bcb cdc
- Kettenreim – Terzinenreim: gleiche Bedeutung (Synonyme)
- Kettenreim Gedicht – Kettenreim Beispiel: Ein passendes Beispiel für ein Kettenreim Gedicht ist "Bei Betrachtung von Schillers Schädel" (1826) von Johann Wolfgang von Goethe.
- Kettenreim – Funktion:
- Bezug von immer mind. zwei Versen aufeinander
- Verse bleiben besser im Gedächtnis
- Kettenreim – Wirkung:
- Bildung eines inneren Zusammenhangs
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